Zeittafel

1904 In Ahlen in Westfalen wird die Narrenzunft "Kiek es drin" gegründet.

ked Standarte

Die Hereros erheben sich in Deutsch-Südwestafrika.
Die USA kaufen der Panama-Kompanie für 40 Millionen Dollar alle Rechte am Kanal ab.
Das Gesetzt über die Registrierung der Fahrzeuge tritt in England in Kraft mit der Nr. A1.
Erste Deutsche Fahrschule wird in Aschaffenburg eröffnet.
Streit zwischen Ärzten und Krankenkassen in Leipzig; sämtliche 233 Kassenärzte stellen die Arbeit ein.
Wilhelm Rubel erfindet den Offsetdruck.
Etwa ab 1904 zeigt sich die Tendenz, die Röcke der Damen zu verkürzen.
Gründung des "Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie".
Winston Churchill wechselt von den Konservativen zu den Liberalen. 

Olympische Spiele in Saint Louis-USA-.
Zweite Tour de France.
Die Fußballvereine Schalke 04, Rot weiß Oberhausen, Leverkusen gegründet.

Geboren: Erich Kästner, Graham Greene, Harry L.(Bing) Crosby, Glenn Miller amerikanischer Jazzmusiker, Salvador Dali, spanischer Maler. Johnny Weissmüller, amerikanischer Olympiasieger in den Schwimmwettbewerben (1924, 1928) Tarzandarsteller.
Es starben: Dvorak Antonin, Tschechow Anton.

Musikverein Harmonie Ahlen in Westfalen gegründet.
Im Jahr 1904, als Ahlen in Westfalen mit knapp 7000 Menschen sich aufmachte, sich von einer Ackerbürgerstadt zu einer Industriestadt zu entwickeln, gründeten Brieftaubenfreunde 01255 "Blitz" den zweiten Ahlener Verein nach dem "Kurrier".

harmoni 1 und2 02.jpg

wimpel harmoni 1 und 2.jpg

Einige Mitglieder aus dem Freundeskreis "Kiek es drin" gehörten auch dem Musikverein Harmonie an wie z.B.: Kurt Rudolph, Bernhard Daut, Theo Siggemann, Heinrich Mense, Konny (Konrad) Graewer wie auch Werner Fischer, der in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts aktives musizierendes Mitglied in der Vereinskapelle (B-Saxophon) von Harmonie war unter den Dirigenten Bernhard Nawrot und Robert Göske. Geprobt, aufgespielt und gefeiert wurde im Saal Northoff an der Weststraße.  

Harmonie

Karnevalsveranstaltung 1995 im Schützenhof mit der Musikkapelle Harmonie
und Musikern der Bergkapelle unter Robert Göske.

unterste Reihe:
v.l.n.r.: Stephan Lücke, Harmonie, Tenorhorn, Berni Quante, Klarinette, Harmonie und später Bergkapelle, Werner Fischer, B-Saxophon, Harmonie, Robert Göske, Trompete, Dirigent und Übungsleiter von Harmonie, Josef Apke, Trompete, Harmonie, Theo Doodt, Trompete, Harmonie, Alfred Nikelewski, Trompete, Harmonie und Bergkapelle, später Polizeiorchester Dortmund.
2. Reihe
Ulrich Vorlicek, Klarinette, Bergkapelle und Harmonie, Hans Bachmann, Waldhorn, Bergkapelle und Harmonie, Oskar Greschke Waldhorn, Bergkapelle und Harmonie, Heinrich Göske, Tuba, Harmonie, Mönnigmann, Pauke, Harmonie
3 Reihe
Heinz Mönigmann, Posaune, Harmonie, Nicht mehr bekannt, Nicht mehr bekannt, spielte Tenorhorn und Pauke?, Harmonie, Josef, genannt Seppel Marx, spielte mehrere Instrumente, (baute auch Klaviere), Bergkapelle und Harmonie.

 Brandenburg

Die Brandenburg. Gründungs- und Vereinslokal.

Dieses Bild stellte uns freundlicherweise Bernhard Schmidtmeier zur Verfügung.

1904 Gründungsjahr der Narrenzunft im Lokal "Brandenburg"
mit der Wirtin Christine Beumer geborene Röper, geb. am 12.7.1874, wohnhaft:
von Stein Str. 45, früher und heute wieder in der Nordstraße.45, gestorben am 26.2. 1950 in Ahlen. Mutter von Alwine Schmitdmeier, geborene Beumer. 

Gründungsmitglieder: Bernhard Schumacher, geb. 4.10 1862 in Albersloh, wohnhaft Nordstr. 39, gestorben 28.3.1929
Kurt Rudolph, den papierenen Dagelöhner geb. 20.7.1886 in Ahlen, wohnhaft Auf dem Westkamp 23 und nachher auf der Ostenmauer.
Bernhard Muesmann, Gastwirt, geb. 23.08.1867 in Münster, verh. mit Maria, Auguste, Mathilde geb. Schlüter, geb. 27.05.1868, Beruf Stickerin, beide wohnhaft in Ahlen, Weststraße 73,
Theodor Mehring, wohnhaft Wandmacher Stiege geb. am 2. November 1865 der im Sommer als Maurer und im Winter als Hausschlachter tätig war.
Anton Kubigsteltig, geb. 2.12.1872, wohnhaft Klosterstr. 2, verstorben 13.11.1925
Löschen oder Loeschen oder Scheidgen

Regelmäßige Stammtischrunde zumeist am Sonntag Morgen. Man traf sich in der Wirtschaft und spielte Karten, im allgemeinen Doppelkopf.
Häufig nahmen auch Gäste an den geselligen Zusammenkünften teil.

1904

Bildreproduktion Hansen

Das Foto zeigt die sechs Stammväter, die in Ahlen im Bereich der Nordstraße/Rosenstraße, genannt "Dreihusen", den ältesten Ahlener Fastnachtsclub, den Freundeskreis "Kiek es drin v. 1904" gründeten, bei fröhlichem treiben.
Wir sehen ein Laienorchester, als Kostumierung umgewendete Jacken tragend. Ein Gründungsmitglied sitzt auf einem Bierfaß mit der Bezeichnung §11, was soviel heißt wie: es wird weitergesoffen. Dies war Jahrzehnte lang noch eine Redewendung.
V.l.n.r.:
Wirtin und Hausherrin Christa Beumer,
Bäcker Anton Kubigsteltig,
Maurer und Fleischer Theo Mehring,
Kürschner Bernhard Muesmann, den "Papierenen Daglöhner",
Kanzleiangestellter Kurt Rudolph,
vor dem Gerber Bernhard Schumacher,
und ganz rechts, einen nur kurze Zeit dabeigewesenen Stammtischbruder, von dem nur der Name Loschen überliefert ist.

Es war schon 1904 etwas Besonderes, wenn man einen Fotographen beorderte, ein Foto zu machen. 
Natürlich war Fastnacht ein Anlaß im Kirchenjahr, um der Narretei, dem Unsinn zu huldigen, denn im laufe des Jahres gibt es viele Anlässe zum wöchentlichen Treffen beim Stammtisch. Es gab zwar Zeitungen aber wer konnte sie sich damals leisten? Daher wurde das Neueste vom Tage, der Woche am Stammtisch erzählt und mit Kommentaren ausgeschmückt. Untereinander wußte man, wer besonders neugierig war und auch, wer keine wichtigen geheimen Nachrichten bei sich behalten konnte. Immer hieß es:
Nicht weitersagen oder, dass ich es Dir gesagt habe. Von großer Bedeutung waren in den Familien und Gemeinschaften die Namenstage. Jedem war bekannt, dass am 19 März Josef oder am 12. September Maria gefeiert wurde. Jeder hatte in katholisch geprägten Gegenden einen Namenspatron noch bis zum Ende des II. Weltkrieges. Dann wurde der Namenspatron kalt gestellt und der Geburtstag gab zu Feiern Anlaß. 

So verging Woche um Woche, Jahr für Jahr, der I. Weltkrieg, die Inflation, das sogenannte Tausendjährige Reich, der II. Weltkrieg und die Besatzungszeit in Ahlen durch die Engländer. Geschichtsschreiber berichteten über diese Zeiten in Ahlen oder werden es noch tun. Über den Stammtischclub "Kiek es drin" von 1904" fehlen Dokumentationen. Wer sollte auch Grund gehabt haben, Notizen zu machen über das, was sich so im Laufe des Jahres im privaten Bereich auch am Stammtisch zugetragen hat? Man wollte damals nicht in und für die Öffentlichkeit fotografiert werden und schon gar nicht in die Zeitung kommen. Das hat sich bei vielen älteren Leuten bis in das 2. Jahrtausend gehalten.

Es wurde mündlich berichtet, dass einige Stammtischbrüder von "Kiek es drin" 1936 zur Olympiade nach Berlin gefahren seien, weil die damaligen Machthaber die Olympiareisenden finanziell unterstützten. "So billig kommen wir nie wieder nach Berlin." Ein Mann namens Günnewig, wohnhaft an der alten Kirche soll mit dabei gewesen sein.

Jolo Longerich Mitbegründer der Karnevalsgesellschaft PPP, schreibt in seinem Rückblick auf den Ahlener Karneval im Rosenmontagsanzeiger von 1952 mit dem Titel: Karneval wird zum Volksfest (Auszug)
Daß man sich diese Begeisterung zu Freude und Humor, zu Scherz und Schalk in die Zeit des "Tausenjährigen Reiches" hinübergerettet hatte, zeigte mir eine närrische Sitzung im BSV "Hoher Norden", wo man mit Elferrat und Gefolge aufzog. Aus dieser gab ich dann 1935 in mehreren Artikeln in der damals von mir redigierten AV die Anregung, den - derzeit - uns aus Zeilen des Heimatbuches - aus den Jahren 1890 – 1900 bekannten alten Ahlener Karneval wieder aufleben zu lassen.

So wurde aus dem Schützenverein Hoher Norden 1936 die Karnevalsgesellschaft Pütt, Pott, Ploug gegründet.

Es war üblich, dass die Stammtischbrüder von Kiek es drin gleichzeitig Mitglied im Schützenverein "Hohen Norden" waren.

Die Ahlener Karnevalsgesellschaften orientieren sich mit ihren Ausstattungen, Uniformen und Programmen bis heute an den rheinischen, Kölner Karneval. Das war den Stammtischbrüdern von Kiek es drin suspekt.

Kiek es drin wollte die Westfälische Fastnacht feiern - überpoentierten Witz mit westfälischem Humor gepaart. Jahrzehntelang galt das Motto: Wir wollen immer daran denken, anderen Menschen Freude zu schenken. Hier nun der Versuch, chronologisch vorzugehen mit gesammelten Informationen und Berichten.
Unseren verstorbenen Mitgliedern und deren Angehörigen danken wir sehr für die Überlassung ihrer Vermächtnisse über den Kiek es drin. Das soll an dieser Stelle besondere Würdigung erfahren.. Auch soll den ehemaligen Mitgliedern, wohlwollenden Freunden gedankt werden, die den Kiek es drin mit ihrem beachtlichen Wirken unterstützt haben.

trennlinie

Nach der Währungsreform 1948
und in den folgenden Jahren trafen sich die Mannsleute wochentags nach Feierabend oder auch sonntags in der "Brandenburg" in Dreihusen. Einige von ihnen hatten ihren festen Platz am Stammtisch bereits vor dem Krieg 1939 – 1945.

Nicht alle Namen derer, die sich traditionsgemäß am Stammtisch oder an der Theke trafen, sind noch namentlich bekannt. In besonderer Erinnerung sind uns aber die Männer, die das Gedankengut des Kiek es drin nicht nur bewahrt, sondern aktiv an den Aktionen mitgewirkt haben.

In dankbarer Erinnerung denken wir an Heinrich Schröer, Adolf Schmidtmeier, Theo Schüssler, Jans Kleinevers, Jans Schumacher, Johannes Wilmes, Hans Mehring, Berhanrd Daut, Heinrich Göske, Ferdi Buttermann, Toni Borgmann, Anton und Albert Struffert.

Zum 60. Geburtstag von Kieks drin erschien nachfolgender Artikel in der Ahlener Volkszeitung am 15. Januar 1964 von Karl Ludwig Hansen:

Treffpunkt im Hinterstübchen Parole lautet: "Kiek es drin" Aufforderung wurde zum Namen eines Karneval-Stammtisches - Feiern aus Freude an derm Narretei. AV Ahlen. "Feurio!" - So lautete der Alarmruf der alten Ahlener, als es vor nun schon 60 Jahren in "Dreihusen" brannte. In einer der drei Gastwirtschaften des Zentrums, an der Ecke Nord-Rosenstraße, war ein Brand ausgebrochen. Der rote Hahn war Bernhard Beumer aufs Dach gestiegen und binnen kürzerster Zeit fiel das Bürgerlokal den Flammen zum Opfer.

Bis zum tatkräftigen Wiederaufbau dauerte es eine Weile, während man sich im Hinterstübchen, einer provisorisch zur Gastwirtschaft eingerichteten Werkstatt im Hof des Beumerschen Besitzes traf, um zu plaudern und westfälischem Korn zuzusprechen. Wohl etwas zaghaft mag der Fremde durch die Werkstatt-Tür geschaut haben, um sich nach einem warmen Plätzchen umzusehen, denn es war ein kalter Winter im Jahre 1904.
Und wie aus der Familie überliefert ist, ermunterte der Stammtisch,, der hier tagte, den Gast mit dem Ruf: "Kiek es drin" Das erzählte man sich am Stammtisch bei Adolf Schmidtmeier, dem Schwiegersohn des früheren Besitzers Bernhard Beumer und heutigen Inhaber des Stammhauses von "Kiek es drin", dem trinkfesten Freundeskreis, der in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag feiert.

Wie damals, so sind es auch heute angesehene Bürger der Stadt, Handwerker und Kaufleute, die sich regelmäßig zu ihrem Stammtisch treffen und - so nebenbei aus eitel Freude an der Narretei - vor der Fastenzeit Karneval feiern.
Wenn sie, die weder ein rechtsfähiger Verein sind noch sein wollen, es neben den offiziellen Karnevalsgesellschaften zu schönen Erfolgen gebracht haben, so ist das das Werk einer verschworenen Gemeinschaft "Besessener", die sich den Karneval zum Steckenpferd gemacht haben, um sich und anderen Freude zu bereiten. Alwine Schmidtmeier, Ahlens einzige "akademische" Wirtsfrau , weiß sich gut an die Geschichten ihrer Mutter zu erinnern, die diese erzählte, wenn sie auf die gute alte Zeit zu sprechen kam.
Damals wurde Karneval im kleinsten Freundeskreis gefeiert, so auch unter den Stammtischbrüdern von Kiek es drin, die nun schon ihre einstige Aufforderung an die Fremden zum treffenden Namen ihrer Runde gemacht hatten.
Die Kirchensänger von Cecilia führten im Hotel Neuhaus und im Gertrudenhof (früher Theresienhof) lustige Theaterspiele auf, die auch vom Kiek es drin besucht wurden.
Der Club fuhr mit Pferd und Wagen hinaus und fragte nicht nach dem Promillegehalt des Kutschers. Auch in Ahlens Nachbarschaft machte er von sich reden. Oft sah man die Kiek-es-drin' er bei den Pferderennen der ländlichen Reiter auf Haus Ermlinghof vor Bockum Hövel.

Die Traditionen der Altvorderen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den jüngeren wieder aufgegriffen. Sie wählten Heinrich Schröer, von Beruf Asphaltierer, zu ihrem Baas, weil er sich um den wiedereingerichteten Stammtisch besonders verdient gemacht hat. Unter seiner Leitung wird am Karnevalsdienstag der "Präsident", die Tollität derer von Dreihusen, beerdigt und das neue närrische Oberhaupt für die nächste Session mit der Präsidentenwürde ausgestattet. Im Geburtstagsjahr 1964 ist es der Schlachtermeister Jans Schumacher, der das Zunfterbe der Stammväter von Kiek es drin verwaltet. Seine erste Amtshandlung bestand er schon in der Karnevalseröffhung auf Mittrops Hof, die am 11. im 11. vom Regionalfernsehen übertragen wurde. Am Samstag wird er über den karnevalistischen Tanzabend im Stil von 1904 im Kettelerhaus sein Zepter schwingen. "Wir sind immer ein Stammtisch geblieben und wollen es auch weiter so halten. Wir haben nicht vor, den großen Karnevalsgesellschaften "Konkurrenz" zu machen. Allen Freunden karnevalistischen Treibens gilt noch immer unsere Aufforderung: Kiek es drin!" Zum 100. Geburtstag des Freundeskreis "Kiek es drin" berichtete Reinhard Baldauf in der Ahlener Volkzeitung am 2. Dezember 2004 - aufbauend auf den Jubiläumsbericht 60 Jahre "Kiek es drin" von Karl Ludwig Hansen: Geburtsstunde schlug am Stammtisch Historisches Foto belegt: Freundeskreis "Kiek es drin" blickt auf 100-jährige Geschichte zurück Ahlen. Ahlens ältester Fastnachtsclub zu sein, rühmt sich der Freundeskreis "Kiek es drin", der 2004 auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblickt. Die Nachforschungen zur Geschichte der närrischen Gesellschaft haben jetzt einige neue interessante Fakten und Anekdoten zutage gefördert. Bernhard Beumer, am 19. August 1866 geboren, war Besitzer einer Wirtschaft an der heutigen Nordstraße 45 in Ahlen. Von Beruf war Bernhard Beumer Stellmacher, der Name kommt von Gestell. Im Hof hatte er seine Werkstatt, in der er Karren und Wagen für die Landwirtschaft, den Handel und Private konstruierte und anfertigte. Die Stellmacher, damals ein blühendes Handwerk, legten die Grundlagen für den heutigen Karosseriebau und damit für den Automobilbau. Bernhard Beumer heiratete Christine Röper, verwitwete Tovar, die am 12. Juni 1874 in Hoetmar, Buddenbaum, geboren wurde. Sie war eine tüchtige Frau und Wirtin. 1901 brannte es an der Ecke Rosenstraße / Nordstraße. Der "rote Hahn" war. Bernhard Beumer aufs Dach gestiegen und binnen kürzester Zeit fiel das Bürgerlokal den Flammen zum Opfer. Bis zum tatkräftigen Wiederaufbau dauerte es eine Weile, während man sich im Hinterstübchen einer provisorisch zur Gastwirtschaft eingerichteten Werkstatt im Hof des Beumerschen Besitzes traf, um zu plaudern, Karten zu spielen und westfälischen Korn zuzusprechen. Wohl etwas zaghaft mag der Fremde durch die Werkstatt-Tür geschaut haben, um sich nach einem warmen Plätzchen umzusehen, denn es war ein kalter Winter im Jahre 1904. Und wie aus der Familie (Beumer) Schmidtmeier überliefert ist, ermunterte der Stammtisch, der hier tagte, den Gast mit dem Ruf: "Kiek es drin!'* (Guck mal rein)- So berichtete Karl-Ludwig Hansen in der "Ahlener Völks-zeitung" der zum 60. Jubiläum um 1964 - also vor 40 Jahren - Adolf und Alwine Schmidtmeier geborene Beumer befragte. War es schon in der Zeit des Neubaus 1904, als Beumers Wirtschaft den Beinamen "Brandenburg" erhielt? Man weiß es nicht. Was jedoch die "Rotzylinder" durch ein Originalfoto dokumentieren können, das sich im Familienarchiv von Bernd Schmidtmeier befindet, ist das Bestehen einer hundert Jahre alten Stammtischgemeinschaft namens "Kiek ess drin". Das Foto zeigt die sechs Stammväter, die im Bereich Nordstraße Rosenstraße - auch genannt Dreihusen - den ersten in Ahlen bekannten Fastnachtsclub "Kiek es drin" 1904 gründeten. Sie bildeten damals ein Orchester, das nicht wie heute in glitzernden Kostümen auftrat, sondern die Männer wendeten ihre Jacken einfach auf die Innenseite, so dass das wunderschön gestreifte Innenfutter, besonders das der Ärmel, seine komische Wirkung nicht verfehlte. Ein künstlicher Bartwuchs unterstützte die Maskerade. Die Musikinstrumente - soweit erkennbar - sind Marke Eigenbau oder dem Haushalt entnommen. Zu jedem Orchester gehört natürlich ein Dirigent sowie eine kleine Trommel. Es könnte in diesem Fall eine Backform gewesen sein. Die Teufelsgeige mit Holzschuhen als Klangkörper verspricht eine besondere Resonanz. Ob noch eine Zither im Spiel ist, ist nicht präzise erkennbar. Jedenfalls sitzt einer der Gründer auf einem Bierfass, das auf dem Boden mit dem Paragraphen 11 deutlich bezeichnet ist. Der Paragraph 11 besagt: Es wird weiter getrunken (gesoffen). Dazu verhalf Christine Beumer mit einer wunderschönen, gestärkten, blütenweißen Schürze, indem sie den Stammtischbrüdern auf einem Tablett in Gläsern den edlen Gerstensaft in Beumers Garten servierte. Wer waren diese sechs Männer und was weiß man von ihnen und ihren Nachfolgern? Der Mann neben der Wirtin in sitzender Position ist Metzger Theodor Mehring von der Wandmacherstiege, geboren am 2. November 1865, der im Winter als Hausschlachter und im Sommer als Maurer tätig war. Mehring war im ..Kiek es drin" bekannt für seine schmackhaften gebratenen Mettwürste. Der Mann mit dem Taktstock ist Hugo Kurt Rudolph. Man nannte ihn den "papierenen Dagelöhner" oder den "Kanzleiangestellten'" Er wurde am 20. Juli 1886 in Ahlen geboren. Er wohnte Auf dem Westkamp und in der Ostenmauer. Auf dem Fass sitzt der Kürschner und Wirt Bernhard Muesmann, Wasserstraße, dann Marktstraße, heute Ecke Weststraße/Südstraße. Er wurde am 23. August 1867 in Münster geboren und starb daselbst am 12. Februar 1926. Der längste von allen Stammtischbrüdem war der Gerber Bernhard Schumacher, geboren am 4. Oktober 1862 in Albersloh, wohnhaft Nordstraße 39. Er war vermählt mit Elisabeth, geborene Köster aus Ahlen. Dann ist da noch Bäcker Anton Kubigsteltig, geboren am 2. Dezember 1862 in Ahlen, wohnhaft Klosterstraße 2. Weitere Daten von diesem "Kiek es drin"-Mitbe-gründer sind zurzeit nicht bekannt. Das gleiche trifft auf Loschen zu. Er soll den mündlichen Berichten nach ein durchreisender Handwerksbursche gewesen sein, der sich bei den Stammtischbrüdem sichtlich wohl gefühlt haben soll. Mitte der 30er Jahre organisierte man sich in Ahlen, um 1936 auch mit finanzieller Mithilfe der Gemeinschaft KdF "Kraft durch Freude" * 1937 den ersten Karnevalsumzug mit dem Prinzen Berkel Becklas durchzuführen.
Große Verdienste um den Ahlener Karneval erwarb sich der Schützenverein "Hoher Norden", aus dem u.a.die Karnevalsgesellschaft "Pütt, Pott, Ploug" hervorging.Neben dieser offiziellen Karnevalsgesellschaft gab es viele Stammtische und Vereine, die in Ahlen Fastnacht feierten.Das Fastnachtsbrauchtum war im katholischen Münsterland stark verbreitet. Erst durch die organisierten Karnevalsgesellschaften hielt auch der rheinische Karneval Einzug ins Münsterland.Viele Gruppen hielten aber am westfälischen Fastnachtsbrauchtum fest, nahmen jedoch am Fastnachtstreiben und an den Rosenmontagszügen teil. So auch Ahlens ältester Fastnachtsclub, der Freundeskreis "Kiek es drin" von 1904.

brandenburg 2012
Aktuelle Aufnahme der ehemaligen Brandenburg Dezember 2012